Oder: Müssen Rollkoffer wirklich sein?
Ich bin in den 80ern aufgewachsen. In Zeiten also, in denen uns die selbsternannten Zukunftsforscher unermüdlich vor der unbeherrschbaren Übermacht von Computer, Roboter und Maschine warnten. Diese Angst hat sich weitgehend als unbegründet erwiesen. Es ist viel schlimmer gekommen: Aus dem Hinterhalt hat flugs der Koffer mit Rädern unser Alltagsleben überrollt.
Fast jeder hat einen. Ich habe keinen. Und darüber bin ich froh. In der Tarnung des Praktischen, des Lebenserleichternden, kam er harmlos und unauffällig daher, und jetzt: Wird gerumpelt und gerattert, was das Kopfsteinpflaster hält. Er wird auch Trolley, oder volkstümlich “Hackenporsche” genannt. Ich bevorzuge die Bezeichnung “Rollkoffer”, wird sie doch dem profanen Zweck des Behältnistransports bestens gerecht. Erst im Jahre 1989 kam der amerikanische Pilot Bob Platt auf den Gedanken, an seine Pilotentasche Räder zu montieren. Seitdem ist nichts mehr wie es war. Unaufhaltsam und in atemberaubender Geschwindigkeit hat der Rollkoffer unsere Städte, Flug- und Bahnhöfe unter die Räder genommen. Blieb sein Vorläufer, das 1945 von Bruce Williamson ausbaldowerte, rasenmäherähnliche Golf-Bag-Trolley, noch einer elitären Schicht der Sportsimulanten und Arterienverklumpten vorbehalten, so ist der Rollkoffer zum sonisch starken Allzwecktamagochi des modernen Reisenden geworden.
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