Archiv der Kategorie ‘Film‘

 
 

Erntedank

Der Bayerische Rundfunk hat sich in seiner “Heimatkrimi”-Reihe an die erste Verfilmung eines Kluftinger-Romans des Allgäuer Autorenduos Volker Klüpfel und Michael Kobr gewagt. Erstausstrahlung von Erntedank: Samstag, 26.09. um 20.15h im BR. Mit Rainer Kaufmann hatte man einen routinierten Regisseur im Boot, der die manchmal arg betuliche Vorlage deutlich zurechtstutzte. Die Kluftinger-Fans wird das nicht schrecken - finden sich doch auch in der Verfilmung nahezu sämtliche erfolgreichen Zutaten der Krimireihe. Manchen Witz hätte man sich zu Gunsten von mehr Stringenz durchaus sparen können, aber das große Plus ist sicherlich Hauptdarsteller Herbert Knaup, der die manchmal schon fast unsympathische Schrulligkeit des ewig Wurst essenden Kommissars mit sichtbarer Freude auf die Spitze treibt.

Filmtipp: Oben

Der richtige Film um nach der Sommerfrische wieder in die Gänge zu kommen: Pixars Oben lebt von jenem Detailreichtum und ungebremsten Enthusiasmus, der die Filme der Animationsschmiede schon immer auszeichnete. Wie so oft nimmt in der zweiten Hälfte die Action ein bisschen überhand. Dafür sind die ersten zehn Minuten Kino, wie es treffender kaum denkbar ist. Dazu gibt es wieder jede Menge versteckter Zitate und Anspielungen, so dass man schon aus Stein sein müsste, um das alles nicht zu mögen.

Filmstart der Woche: Maria, ihm schmeckt’s nicht!

Zweifelsohne der ideale Sommerfilm - aber auch das eher gelungene Beispiel einer deutschen Komödie. Regisseurin Neele Vollmar verzichtet ihn ihrer Verfilmung von Jan Weilers Bestseller glücklicher Weise auf allzu platte Situationskomik und steuert ihr gut besetztes Ensemble mit sicherer Hand durch die manchmal zwar arg harmlose, manchmal aber auch sehr lustige Geschichte.

Offizielle Filmseite

Filmtipp: Drifter

Im Münchner Arena-Kino ist derzeit noch Sebastian Heidingers hervorragender Dokumentarfilm Drifter zu sehen. Heidinger begleitet seine Protagonisten Aileen (16), Angel (23) und Daniel (25) in ihrem Aktionsraum um den Bahnhof Zoo in Berlin und zeigt in ruhigen, nie voyeuristischen aber extrem packenden Bildern den täglichen Überlebenskampf zwischen Notunterkünften, Freiern und der Geldbeschaffung für die Drogensucht. Über lange Zeiträume hat der Regisseur mit seinem Kameramann ein Vertrauensverhältnis zu seinen Protagonisten aufgebaut und kann so einen eindrucksvollen Blick in eine Lebenswelt bietet, die meistens nur aus dem Augenwinkel wahrgenommen wird. Parallelen zum 80er-Jahre Spielfilm “Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” drängen sich natürlich auf. Das Spekulative ist Heidingers Ding jedoch nicht - ihn interessieren die Menschen und nicht Effekte. Das Ergebnis ist deshalb umso überzeugender und - in Anbetracht der Thematik keine Selbstverständlichkeit - auch nicht ohne Humor. Absolut sehenswert.

Filmstart der Woche: Mitte Ende August

Regisseur Sebastian Schipper (Absolute Giganten, Ein Freund von mir) erzählt basierend auf Goethes “Wahlverwandtschaften” von der Nachlässigkeit und Flüchtigkeit der Liebe an ein paar Sommertagen auf dem Land. Ein gelungener und genau beobachteter Film über die Generation der Mittdreißiger, in dem sich so manche/r wiedererkennen dürfte.


Mitte Ende August
Hochgeladen von Filmtrailer -

Offizielle Filmseite

Filmstart der Woche: Hangover

Dieser Film von Todd Phillips ist ein Werk, das man erstmal nicht mögen will. Vieles im Trailer wirkt wie ein Sammelsurium von “Highlights” sämtlicher Fäkalkomödien der letzten Jahre. Der Film selbst ist dann tatsächlich eine derbe Angelegenheit - und macht einen Höllenspaß. Mit perfektem Timing erzählt der Regisseur, ausgehend vom Morgen danach, die Geschichte eines Junggesellenabends und strickt dabei eine Art “Memento” für Fans deftiger Komödien. Auch bei Zweifeln: Unbedingt ansehen!

Offizielle Filmseite

Filmstart der Woche: “UmdeinLeben”

An diesem Film werden sich die Geister scheiden. Theatermacherin Gesine Danckwart zeigt mit einem hochkarätigen Ensemble etablierter Theaterschauspielerinnen auf höchst artifizielle aber nicht humorslose Weise den täglichen Überlebenskampf von sechs Großstadtfrauen.

Offizielle Filmseite

Der verstimmte “Klang der Seele”

In der vergangenen Woche stellte ich an dieser Stelle den Dokumentarfilm Der Klang der Seele vor. Am Freitag erhielt ich von Christoph Bornheimer, einem der Beteiligten, eine Distanzierungserklärung. Auch Cord Meijering, Komponist und Dozent an der Akademie für Tonkunst Darmstadt distanziert sich auf Nachfrage, möchte jedoch nicht öffentlich zitiert werden. Das ist aufgrund seiner pädagogischen Verantwortung durchaus verständlich, trägt jedoch auch nicht zur Erhellung der Situation bei. Kurzum - es geht darum, dass sich die genannten Beteiligten übergangen fühlen. Man sei nicht über den Kinostart informiert worden und kritisiert, dass aus dem Film keine Dokumentation über eine Kompositionsklasse, sondern eher ein Vehikel für Roman Czura (einer der Protagonisten der Dokumentation und pikanterweise der Sohn von Regisseur Marian Czura) geworden sei. Regisseur Czura stellt ebenfalls auf Nachfrage in einer Erklärung die Situation wiederum anders dar: “Jeder der Teilnehmer hatte nach bereits vorliegendem Rohschnitt die Möglichkeit den Film zu sichten, seine Meinung sagen und Wünsche äußern.” Die Fronten scheinen jedenfalls reichlich verhärtet - offenbar eine Ursache mangelnder Kommunikation. Man möchte allen Beteiligten also empfehlen, sich noch einmal zusammenzusetzen. Vielleicht lässt sich ja auf solche Weise der ein oder andere Punkt klären. Der Zuschauer mag sich in einem der wenigen Kinos, in denen Der Klang der Seele gezeigt wird ein Urteil bilden. Oder auch nicht.

Filmstart der Woche: Der Klang der Seele

Bei dem nicht ganz glücklich gewählten Filmtitel “Der Klang der Seele” denkt man vielleicht eher an Klangschalengeklöppel oder Esoterikgruppe als an das Sujet, das diese Dokumentation behandelt. Marian Czura beobachtet und begleitet vier junge Menschen, die mindestens eines gemeinsam haben: Sie wollen Komponisten werden. Die Ausbildung und der Weg der Protagonisten steht hier im Mittelpunkt. Natürlich ist das nicht unbedingt ein massenkompatibles Thema und wird demnächst sicherlich im Nachtprogramm von arte oder 3sat laufen, trotzdem: Trotz kleiner Mängel in der Umsetzung ist der Film ein sehr interessanter und aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen des Musikbetriebs.

Offizielle Filmseite

Apartment 666

Der Regisseur Robert Lehniger hat mich auf sein Online-Projekt Apartment 666 aufmerksam gemacht. Ich zitiere:

In 15 Kurzfilmen sieht man auf www.apartment666.com eine Variation über den Beginn von Geschichten. 15 Figuren werden ein Apartment betreten, um einen neuen Anfang zu machen, um ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. 15 Mal die ersten Minuten eines Films, in denen wir entscheiden, ob wir den Film und die Protagonisten mögen oder nicht. 15 Mal die erste Einstellung und trotzdem immer schon der komplette Film. Jeder hat ein Geheimnis, jeder möchte wohin. Doch was, wenn keiner das apartment666 wieder verlassen kann?

apartment666_newtrailer_season01 from superjeans on Vimeo.

Was zunächst etwas trocken klingt, erweist sich als tatsächlich ganz spannender Versuch, Geschichten zu erzählen. Das Personal setzt sich vor allem aus Theaterschauspielern zusammen, weshalb die eine oder andere Episode vielleicht etwas theatral künstlich wirkt. Dank der professionellen Umsetzung hat das aber besonderen Reiz und ist auf jeden Fall mehr als einen kurzen Blick wert. Zu diesem Projekt gibt es übrigens auch noch ein Blog.