Dass sich Verlage und Medien mit der Präsentation von Literatur im Netz noch immer schwer tun, ist kein Geheimnis. Für Buchpremieren werden mittlerweile zwar gerne kurze Filmchen produziert, doch werden diese irgendwo zwischen Filmtrailer und Dichterlesung angesiedelten Machwerke dem zu bewerbenden Produkt nur in absoluten Ausnahmefällen gerecht. Als Leser/in hat man doch lieber was vom Text, als einfallslos zusammengestückelte Wort- und Tonfetzen über sich ergehen zu lassen.
Interessanter sind da schon Versuche wie das Webradio des Schweizer Kein & Aber - Verlags. Auch dass Elke Heidenreich ihre Lesen! - Sendung mittlerweile in quasi unveränderter Form ausschließlich im Internet präsentiert, wird einige Menschen freuen, die Branche aber kaum in Ekstase versetzen - sie erreicht damit nur noch einen Bruchteil der ehemaligen Zuschauer. Neue Ideen sind also gefragt.
Ein Team aus München hat sich nun auf das besonnen, was Literatur ist: Autor und Text. Auf der schön gestalteten Webseite zehnseiten.de präsentieren bekannte und weniger bekannte Autoren wie Norbert Niemann, Thomas Meinecke, Harriet Köhler und viele andere in einer frontal abgefilmten Lesung jeweils zehn Seiten aus ihren Büchern. So einfach, so überzeugend das Konzept. Die Videos sind nie zu knapp, sondern in jedem Fall ausführlich genug, um sich über Dichter und Werk einen ersten Eindruck zu verschaffen.