Monatsarchiv für Januar 2009

 
 

Indie vs. Major

Als Parodie auf die mittlerweile schon berühmten Mac gegen PC - Werbespots ist eine Reihe von kurzen Filmen entstanden, die das Prinzip auf das Filmbusiness anwenden - z.B. dieser hier, der die Frage stellt: Wie viele Leute benötigt man, um einen Film zu machen?

via Fünf Filmfreunde

Filmstart der Woche: Stilles Chaos

Nanni Moretti spielt in dieser Romanverfilmung von Antonello Luigi Grimaldi einen Workaholic, der durch den Tod seiner Frau emotional aus der Bahn geworfen wird. Nach der Einschulung seiner Tochter harrt er einfach auf einer Parkbank vor der Schule aus und wird so zum lebenden Kuriosum, bei dem nach und nach immer mehr Menschen Rat und Halt suchen. So wie Sandro Veronesis Roman immer wieder haarscharf auf dem Grat zwischen Gefühligem und echter Erschütterung entlang balanciert, gelingt diesem Film mit sympathischer Beiläufigkeit eine kleine Variation über das Leben an sich.


Stilles Chaos Trailer - MyVideo

Offizielle Seite

Weitere Neustarts am 29. Januar:

Feuerherz - Die Reise der jungen Awet
Im Schatten des Mondes
Liebesfieber
Reich des Bösen - Fünf Leben im Iran
The Rocker
Der seltsame Fall des Banjamin Button
Teenage Angst
Wen die Geister lieben
Die wilden Hühner und das Leben

Rodrigo Y Gabriela Live

Wurde auch schon vom Spiegel präsentiert, aber das macht es ja nicht schlechter: Das Konzertarchiv von Fabchannel wächst immer weiter, und mittlerweile ist dort auch ein wahrlich mitreissender Auftritt des großartigen Gitarrenduos Rodrigo y Gabriela vom November vergangenen Jahres zu sehen.

Band der Woche: SHA’S BANRYU

Spätestens seit Nik Bärtsch mit seinen diversen Projekten die Jazzszene aufmischt, ist die Schweiz wieder auf der musikalischen Landkarte präsent. Und eben im Umfeld von Bärtsch ist auch Bandlader SHA als Klarinettist aktiv und hat auf dem hauseigenen Label Ronin Rhythm Records das Debut seiner Band Banryu veröffentlicht. Isa Wiss (vocals), Mik Keusen (piano), Thomas Tavano (bass) und Julian Sartorius (drums) sind die Mitspieler in diesem spannenden Geflecht aus hypnotischen Minimalfunk-Grooves, luftigen Ambient-Strukturen und dezenten Vokalisen, die das Ganze noch zugänglicher machen als Bärtsch’s garnicht so unähnliches Ronin - Projekt. Video gibt es noch keins, deshalb sei auf die Myspace-Seite verwiesen.

Banryu bei Myspace
Banryu Official

Netzlese

Dass sich Verlage und Medien mit der Präsentation von Literatur im Netz noch immer schwer tun, ist kein Geheimnis. Für Buchpremieren werden mittlerweile zwar gerne kurze Filmchen produziert, doch werden diese irgendwo zwischen Filmtrailer und Dichterlesung angesiedelten Machwerke dem zu bewerbenden Produkt nur in absoluten Ausnahmefällen gerecht. Als Leser/in hat man doch lieber was vom Text, als einfallslos zusammengestückelte Wort- und Tonfetzen über sich ergehen zu lassen.

Interessanter sind da schon Versuche wie das Webradio des Schweizer Kein & Aber - Verlags. Auch dass Elke Heidenreich ihre Lesen! - Sendung mittlerweile in quasi unveränderter Form ausschließlich im Internet präsentiert, wird einige Menschen freuen, die Branche aber kaum in Ekstase versetzen - sie erreicht damit nur noch einen Bruchteil der ehemaligen Zuschauer. Neue Ideen sind also gefragt.

Ein Team aus München hat sich nun auf das besonnen, was Literatur ist: Autor und Text. Auf der schön gestalteten Webseite zehnseiten.de präsentieren bekannte und weniger bekannte Autoren wie Norbert Niemann, Thomas Meinecke, Harriet Köhler und viele andere in einer frontal abgefilmten Lesung jeweils zehn Seiten aus ihren Büchern. So einfach, so überzeugend das Konzept. Die Videos sind nie zu knapp, sondern in jedem Fall ausführlich genug, um sich über Dichter und Werk einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Filmstart der Woche: Der fremde Sohn

Dass Clint Eastwood als Regisseur immer wieder für positive Überraschungen gut ist, sollte sich herumgesprochen haben. In seinem neuesten Werk schickt er Angelina Jolie und John Malkovich im Los Angeles der 20er und 30er-Jahre auf die Fährte einer Verschwörung um einen verschwundenen und wieder aufgetauchten Sohn. Dramaturgisch und visuell ist das virtuos durchkomponiert, aber Menschen mit Jolie-Phobie dürften sich trotz aller unbestreitbaren Qualitäten eher schwer tun.

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Ebenfalls ab 22. Januar neu im Kino:

Alles für meinen Vater
Bolt - Ein Hund für alle Fälle
Derek
Destere
Das Gesetz der Ehre
Lulu und Jimi
Man On Wire
Das Morphus-Geheimnis
Operation Walküre

Giger in Frankfurt

Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt zeigt vom 21. Januar bis 17. Mai eine interessante Sonderausstellung rund um den Künstler und Filmemacher H.R. Giger. Unter dem Titel “H.R. Giger. Kunst - Design - Film” werden Einblicke in Gigers Arbeiten ermöglicht. Ausgestellt sind neben Skizzen und Entwürfen auch rund 35 Original-Gemälde, Skulpturen, Film-Requisiten, Kostümteile und Modelle, unter anderem die berühmte Alien-Kreatur aus Ridley Scotts SF-Klassiker.

Band der Woche: Mice Parade

Mice Parade startete Ende der 90er als Soloprojekt des New Yorker Percussionisten Adam Pierce (The Dylan Group, HiM, múm), hat sich aber über die Jahre von der reinen Studiofrickelei zu einer versierten Live-Band entwickelt. Im Mittelpunkt ihres Sounds stehen zwei Drumkits, die das verspielte, manchmal auch vertrackte Fundament für die melancholisch geprägten Songs bilden. Auf dem aktuellen, selbstbetitelten Album stimmt jetzt endlich auch die Produktion, die nicht ganz so spontan gezimmert daherkommt wie auf den letzten Alben, dafür aber die Stärken der Songs wirklich zum Tragen bringt. Hier der eher ruhige Titel “Swing”:

Mice Parade bei Myspace
Mice Parade bei Fat Cat Records

Satz des Tages

Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann.

von Mark Twain

Filmstart der Woche: Die Klasse

François Bégaudeau spielt sich in diesem auf seinem Roman “Entre les murs” basierenden semi-dokumentarischen Drama selbst: Einen jungen Lehrer, der in einer Pariser Vorortschule unermüdlich und engagiert versucht, seine aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammenden SchülerInnen zu fordern und zum lernen zu bewegen. Dass dieses Engagement manchmal ins Leere läuft, manchmal aber auch wichtige Anstöße bieten kann, zeigt Laurent Cantets in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneter Film in rauen und ungeschönten Bildern.

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Alle weiteren Neustarts zum 15. Januar auf Zelluloid.de