Monatsarchiv für November 2008

 
 

Band der Woche: Box Club

Mal etwas für Freunde des Akkordeons, aber ganz ohne Hans-Albers-Melancholie oder Pariser-Straßencafé-Charme: Die junge Combo Box Club aus dem schottischen Glasgow hat es sich zur Aufgabe gemacht, Akkordeontöne mit traditioneller schottischer Volksmusik in Einklang zu bringen. Vier Akkordeons, ergänzt um Gitarre, Bass und Schlagzeug - die Band selbst bezeichnet das als Folk und Happy Hardcore, und frisch klingt es allemal. Im positiven Sinne auch gekonnt - stilistische Grenzen spielen keine große Rolle und die einzelnen Bandmitglieder verfügen zudem über reichlich Erfahrung als Begleiter von David Byrne, Cat Stevens, Karine Polwart, Flook und anderen.

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Komm, mein Mädchen, in die Berge

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Ein besonders schöner Fotoband ist kürzlich im Verlag für Bildschöne Bücher erschienen.
Die Niederländerin Andrea Stultiens beschäftigt sich mit „Vernacular Photography”, d.h. sie findet ihre Projekte auf dem Flohmarkt oder in den Nachlässen von Hobbyfotografen, die sie zuweilen mit eigenen Fotografien ergänzt oder kommentiert. In ihrem neuesten Projekt der Reihe „Travels and Escapes” erforscht sie die Flucht aus der täglichen Routine und die Rolle der Fotografie darin. So ist sie bei Recherchen auf die Aufnahmen von D. und G. gestoßen und hat daraus die Serie „Komm, mein Mädchen, in die Berge” gefiltert. Das Ergebnis ist eine wunderbare Komposition von Doppelporträts eines Paares vor dem Panorama der Alpen. Wir erfahren über die beiden nicht mehr, als die mit Selbstauslöser geknipsten Bilder zeigen, folgen dem älter werdenden Paar aber über einen Zeitraum von dreißig Jahren und können so ihre Liebe zueinander und zu den Alpen verfolgen. Das ist anrührend, regt zum Nachdenken an und ist überdies ein außergewöhnlicher Geschenktipp zu Weihnachten.

Die Filme der Woche

Heute in Ermangelung eines echten Favoriten nur der Trailer zu Ken Loachs “It’s A Free World” und die Links zu den Kino-Neustarts der Woche:

Caótica Ana
East / West - Sex & Politics
Death Race
Heinz und Fred
New York für Anfänger
Paris, Paris - Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück
Pazar - Der Markt
Der Weg nach Mekka
Wonderful Town

Aus Shakespeares Spuren

Lesetipp: “Shakespeare wie ich ihn sehe” von Bill Bryson

shakespeare

An Literatur über William Shakespeare herrscht wahrlich kein Mangel. Von der Biografie über ausführlichste Werkanalysen bis hin zu höchst dubiosen Verschwörungstheorien wurde wohl schon beinahe alles geschrieben, was man über den legendären Dichter überhaupt schreiben kann. Jetzt hat sich auch der Amerikaner Bill Bryson (seit seinem Hit “Eine kurze Geschichte von fast allem” einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren überhaupt) dem Briten angenommen. “Shakespeare - The World As A Stage” ist als Auftragsarbeit für die “Eminent Lives”-Serie entstanden und liegt nun bei Goldmann unter dem Titel “Shakespeare wie ich ihn sehe” auf deutsch vor.

Natürlich stellt sich die Frage: Noch eine Shakespeare-Biografie - Muss das sein? Hätte es vielleicht nicht unbedingt müssen - Spaß macht das Buch aber allemal. Und das liegt vor allem an Brysons unvoreingenommener Herangehensweise. Mit dem ihm eigenen Hang zur Ironie und der Lust an zahlreichen Anekdoten spinnt er keine großen Theorien aus, sondern labt sich genüsslich an der Tatsache, wie wenig wir über Shakespeare wissen. Er entlarvt einst etablierte Behauptungen und Theorien als eitle Fantasien geltungsbedürftiger Wissenschaftler und konzentriert sich (keineswegs trocken) auf harte Fakten.
Dabei spart er die gesellschaftlichen und geschichtlichen Umstände während Shakespeares Lebenszeit nicht aus und schafft so beides: Einerseits einen faszinierenden Einblick in das Leben im England des 16. Jahrhunderts und andererseits das Bewusstsein, dass das meiste über Shakespeares Leben wohl für immer im Unklaren bleiben wird. Dass das alles in höchstem Maße vergnüglich zu lesen ist, versteht sich bei Bryson fast von selbst - auch wenn Shakespeares Werke selbst vielleicht ein bisschen zu kurz kommen.

Band der Woche: Giulia Y Los Tellarini

Eien interessante musikalische Entdeckung hat Woody Allen für seinen neuen Film “Vicky Cristina Barcelona” (Kinostart: 04. Dezember) gemacht: Der famose Titelsong “Barcelona” stammt von der (noch) ziemlich unbekannten spanischen Combo “Giulia Y Los Tellarini” um Sängerin und Akkordeonistin Giulia Tellarini. Der Song gibt den Stil des Debutalbums “Eusebio” vor: Ein charmantes Stück Musik, das spanische Musiktradition mit Chanson und Pop verbindet. Mit einer fasziniernden Stimme, die mühelos über Albumlänge trägt und immer wieder originellen akustischen Arrangements, in denen neben Gitarre und Akkordeon auch die angeschrägten Bläser nicht zu kurz kommen. Und nebenbei: “Barcelona” ist, ein- zweimal gehört, nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen:

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Achternbusch

Herbert Achternbusch wird 70. Erst am 23.11. - aber schon am Samstagabend huldigt der Bayerische Rundfunk dem einzigartigen Filmemacher, Literaten und Maler mit einer Auswahl von Filmen.

Den Anfang macht um 21.45h Andi Niessners Dokumentation “Achternbusch”, die bereits beim Filmfestival in Hof erfolgreich gezeigt wurde. Niessner kommt dem sperrigen Künstler ungewöhnlich nahe, lässt ihn über das “Upperclassgezwitscher” seiner ehemaligen Weggefährten Margarethe von Trotta und Volker Schlöndorff schwadronieren, entlockt ihm aber auch einiges über sein Kunstverständnis und begleitet ihn auf gewohnten Wegen rund um seine Wohnung in der Münchner Innenstadt. Dass Achternbusch nichts von seiner Gedankenfrische und Fähigkeit zur Provokation eingebüsst hat, wird deutlich - aber auch die Wunden, die sich über die Jahrzehnte in seine Existenz geschlagen haben, bleiben nicht versteckt. Das ist dann auch die eigentliche Qualität des Films - dass er zum durchaus bewegenden Dokument eines Künstlerlebens wird. Am offensten und ehrlichsten in den Passagen über seine Liebe zur Bierbichler-Schwester Anamirl, am vitalsten mit Tochter Naomi. Auch Josef Bierbichler kommt zu Wort - und bringt ein bisschen Klarheit in das Ende einer Freundschaft.

Weiter geht der Abend dann um 23.15h mit Achternbuschs Erstling “Das Andechser Gefühl” von 1975 und “Servus Bayern”, seinem vierten Film von 1977, um 0.15h.

Filmstart der Woche: Novemberkind

Ein ungewöhnlich stimmiger, kleiner Film aus deutschen Landen: In Christian Schwochows Drama “Novemberkind” begibt sich eine junge Frau (Anna Maria Mühe), angestachelt durch den Schriftsteller Robert (Ulrich Matthes), auf die Suche nach ihrer totgeglaubten Mutter. Die ostdeutsche Vergangenheit der Familie entpuppt sich nach und nach als Lügengerüst - und auch der väterlich auftretende Robert verfolgt andere Interessen, als zunächst vermutet.
Schwochows Film ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich ein Stück deutsche Vergangenheit spannend und ohne Retro-Kitsch erzählen lässt. Die beiden Hautdarsteller agieren nuancenreich überzeugend, und durch die Konzentration auf lebendige Charaktere entspinnt sich nach und nach eine allgemeingültige und packende Geschichte über verdrängte Schuld und Liebe.

Offizielle Filmseite

Ebenfalls ab 20.11. neu im Kino:

Baby Mama
Buddhistische Stille
Comeback
Ich gehe jetzt rein
Der Mann, der niemals lebte
Die Osmanische Republik
Max Payne
The Palermo Shooting
The Strangers
Wächter der Wüste
Wiedersehen mit Brideshead

Worte zum Tag

“Sie schob das Gebiss ungewaschen zurück in den Mund, und es war, als hätte man neue Batterien in ein besonders fieses Spielzeug eingelegt.”

Aus “Besser wird’s nicht” von David Sedaris

Band der Woche: Okkervil River

Einer jener eher selten gewordenen Fällen, in denen eine Band mit jeder neuen Veröffentlichung und jeder neuen Tournee besser zu werden scheint. Die Band Okkervil River aus Austin, Texas gibt es mittlerweile immerhin schon seit zehn Jahren und mit ihrem neuen Album “The Stand Ins”, im September erschienen, sind die Herrschaften hoffentlich endgültig dem Geheimtipp-Status entwachsen. Die darauf zu hörenden Songs haben zeitlose Qualitäten und lassen sich nun auch nicht mehr ausschließlich auf Folk- oder Indieeinflüsse zurückführen. Vom Soulstück mit viel Blaswerk über fröhliche Dengelgitarren-Nummern bis hin zur zerbrechlichen Akustikballade ist hier alles zu haben, was Pop im besten Sinne ausmacht. Zwischen 15. und 18. November sind Okkervil River bei drei Konzerten in Berlin, Hamburg und München live zu erleben.


Okkervil River - The Stand Ins from David Lowery on Vimeo.

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It’s Not Funny, It’s Art

Dieser niederländische Animationsfilm von Joris Oprins ist derzeit auf zahlreichen Festivals zu sehen und erzählt die tragikomische Geschichte von Blanca und ihrer Begeisterung für Kunst. Sie hat nur ein Problem: Eigentlich versteht sie überhaupt nichts von Kunst.