Was liest man im Urlaub? Immer wieder die selbe Frage. Klar, es gibt wieder ein paar Neuerscheinungen, die man endlich mal… Aber ganz ehrlich: Die ganz großen Würfe sind doch wirklich selten, und die wenigen Bücher, die ein Leben lang haften bleiben, nolch seltener. Gelegenheit also, mal wieder Philippe Djians “Betty Blue” aus dem Jahr 1985 zu entstauben. Die abgegriffene Taschenbuchausgabe, in der 80ern vier Mal gelesen, vielfach verliehen und danach immer wieder mal in der Hand gehabt. Aber seit bestimmt fünfzehn Jahren nicht mehr komplett gelesen - die Angst schwingt mit, dass es vielleicht doch nicht mehr so wirkt wie damals, als diese schmutzige, lebenskluge, traurige und gleichzeitig so lebendige Liebesgeschichte zwischen Zorg und Betty tatsächlich lebensverändernd wirkte, die Perspektiven öffnete, eigenes Lebensgefühl abbildete. Und siehe da: Schon bei den ersten Sätzen vibriert er wieder, dieser unvergleichliche Ton des jungen Djian, später vielfach variiert, und alles ist wieder da. Man kann und will es nicht anders sagen: Dieses Buch lebt und ist auch nach mehr als zwanzig Jahren noch so frisch wie damals. Ein moderner Klassiker, zu Recht. Und so wahrhaftig und lebendig wie selten einer.