Monatsarchiv für Juli 2008

 
 

Ariane Mnouchkine zu China

Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in China ist der Protest gegen die Menschenrechtsverletzungen beinahe zum marginalen Beiwerk verkommen. Die Medienberichterstattung erschöpft sich großen Teils im verlautbaren der blumigen Pressemitteilungen von Funktionäre und Verantwortlichen, selbst die großen Menschenrechtsorganisationen üben sich in Pragmatismus. Business as usual - schließlich gehts mal wieder um viel Geld. Die französische Regisseurin Ariane Mnouchkine hat jetzt drei chinakritische Kurzfilme ins Netz gestellt, die zumindest in Frankreich die Debatte neu befeuert haben. “Un Couple” ist einer davon, und wer das Paar im Vordergrund sein soll, dürfte keinem Franzosen entgangen sein:

Auf der Seite der SZ sind auch die beiden anderen Filme zu sehen.

Filmstart der Woche: Unter Kontrolle

Jennifer Chambers Lynch ist Regisseurin und wie ihr Vater David Lynch ebenfalls spezialisiert auf abgründige Stoffe. Nach “Boxing Helena” legt sie jetzt mit “Unter Kontrolle” ihren zweiten Spielfilm vor - und der ist nichts für schwache Nerven und sorgt wenigstens für eine kleine Abwechslung im Sommerloch. Julia Ormond und Bill Pullman ermitteln als FBI-Agenten in einer blutigen Mordserie auf einem amerikanischen Highway. Die Geschichte entspinnt sich nach und nach aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wartet mit einigen hübschen Einfällen auf, kann aber letztendlich doch nicht zu den Meisterwerken des Genres aufschließen. Originelle Thrillerkost ist das aber allemal.


Offizielle Filmsite

Ebenfalls ab 31.07. neu im Kino:

39,90
Animals In Love
Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia
Jeder siebte Mensch
Selbstgespräche

Wild Tigers

Die brillante Gus Van Sant - Produktion “Wild Tigers I Have Known” mit dem großartigen Soundtrack von Emily Jane White war bei uns leider nur sehr kurz in nur sehr wenigen Kinos zu sehen. Jetzt ist der Film immerhin auf DVD erschienen und kann über delicatessen.org bezogen werden.

Lesestoff

Der österreichische Journalist und Autor André Müller ist vor allem durch seine Aufsehen erregenden Interviews mit prominenten Zeitgenossen bekannt geworden. Erschienen sind sie in Spiegel, Stern, Zeit, Weltwoche, Playboy und auch in mehreren Sammelbänden. Auf seiner Website kann man viele dieser stets aufschlussreichen, provokanten und extrem unterhaltsamen Texte jedoch ebenfalls nachlesen. Das geht von Dolly Buster über Reinhold Messner bis hin zu Leni Riefenstahl. Eine empfehlenswerte Lektüre.

Musiker der Woche: Bill Frisell

Seit er Mitte der 70er Jahre in der New Yorker Jazzszene auftauchte, zählt der amerikanische Gitarrist Bill Frisell zu den eigenwilligsten Figuren der Musikszene. Unverwechselbar im Stil, nie festlegbar auf eine bestimmte musikalische Richtung. Jazz, Country, Pop und Avantgarde sind die Parameter seines Koordinatensystems, zwischen denen er mühelos und hoch produktiv wechselt. Kaum ein Jahr vergeht, in dem nicht wieder ein, zwei oder drei neue Platten in unterschiedlichsten Besetzungen erscheinen. Unverkennbar im Mittelpunkt die umherschwirrende Gitarre, versetzt mit Loops, Delays und kleinen Samples. Auch dieses Jahr ist wieder ein gutes für Bill Frisell: Im April hat er das vorzügliche, kammermusikalische Doppelalbum “History, Mystery” veröffentlicht, darauf folgt jetzt der countrybetonte Soundtrack zum Film “All Hat”. Wie es klingt, wenn er alleine mit Gitarre über einen Countryklassiker meditiert, ist hier zu bestaunen:

Bill Frisell Official
Bill Frisell bei Myspace

Auf nach Oberpfaffelbachen

Auch wenn dieser fiktive Dokumentarfilm von Jeff Schultz über eine gigantische Rampe im bayerischen Oberpfaffelbachen teil der viralen Marketingkampagne eines großen deutschen Autokonzerns ist, sollte man sich die halbe Stunde Zeit nehmen - es lohnt sich:

Feist war in der Sesamstraße

Leslie Feist war zu Gast in der Sesamstraße. Dabei herausgekommen ist folgender Clip:
“1, 2, 3, 4″…

Keziah Jones hat eine neue…

Es gibt eine Reihe von Künstlern, bei denen es immer wieder verwundert, wenn nach jahrelanger Pause auf einmal doch noch eine neue Platte erscheint. Keziah Jones gehört definitiv dazu. In ein paar Wochen erscheint sein neues Album “Nigerian Wood”, und die Single “My Kinda Girl” weist schon dezent darauf hin, dass es diesmal etwas geradliniger zugehen könnte. Die drei Nachfolger seines Hitalbums “Bluefunk Is A Fact” von 1992 waren zwar immer wieder interessant, mitunter aber doch arg verschroben und deshalb keine großen Erfolge mehr. Vielleicht hat ihm deshalb jemand gut zugeredet und ihm die Produzenten Karriem Riggins (Kanye West, Erykah Badu, John Legend) and Russel Elevado (Alicia Keys, D’Angelo, Al Green) empfohlen. Über zu starke Anbiederung an den Mainstream braucht man sich wohl aber keine Sorgen zu machen - Jones’ Handschrift ist dann doch zu eigen und unverwechselbar - Bluefunk eben.

Filmstart der Woche: Underdogs

Dokumentarfilmer Jan Hinrik Drevs hat sich für seinen Spielfilm-Erstling ein ungewöhnliches Thema ausgesucht: Er erzählt von einem Resozialisierungsprogramm im Knast, in dessen Rahmen die Insassen ausgewählte Welpen zu Blindenhunden ausbilden sollen. Das ist nicht vollends fiktiv, sondern beruht auf Tatsachen. Thomas Sarbacher spielt den Häftling Mosk, der bei diesem Projekt seine ganz persönliche Innenreise unternimmt. Drevs ist hier ein kleiner, feiner Film gelungen, der sich nicht in Gefühlsduselei ergeht, sondern genau beobachtet und insgesamt atmosphärisch stimmig bleibt. Da hätte es den einen oder anderen Schlenker in Richtung Massengeschmack nicht mal gebraucht.
Ach, und übrigens: Der Film 42plus, der ebenfalls in dieser Woche anläuft, wäre auch fast richtig gut geworden, nur: Wer kann eigentlich noch Liebesdramen sehen, in denen mal wieder Ulrich Tukur und Tobias Moretti mit Staatsschauspielergesicht und überdeutlich ihren Text prononcierend durch Urlaubslandschaften stolzieren?

Offizielle Filmseite

Ebenfalls ab 24.07 neu im Kino:

42plus
Akte X - Jenseits der Wahrheit
Der Mond und andere Liebhaber
Superhero Movie

Satz des Tages

“Wahnsinn ist wie Schwerkraft - man braucht nichts weiter als einen kleinen Schubs.”

aus “The Dark Knight”