Monatsarchiv für Mai 2008

 
 

Filmkritik: Cassandras Traum

cassandras traum
Cassandras Traum

von Woody Allen
Mit: Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkinson, Sally Hawkins, Hayley Atwell u.a.
Kinostart: 05. Juni 2008

Fast wäre er nicht ins Kino gekommen und nur auf DVD erschienen, der neue Woody Allen. Schon im vergangenen Jahr lief er beim Festival in Cannes und tat sich dort schwer, einen Verleiher zu finden. Jetzt hat sich die Constantin Film doch noch dazu entschließen könne: Start ist am 05. Juni. Und das ist gut so, auch wenn die Bedenken teilweise verständlich werden, wenn man den Film gesehen hat. Denn Woody Allen macht es seinem Publikum diesmal nicht ganz einfach. Er hat nun schon zum dritten Mal in London gedreht, und “Cassandras Traum” wirkt dann auch wie ein Bindeglied zwischen den Vorgängern “Match Point” und “Scoop”. Nicht so virtuos und schlüssig wie der erstere, nicht so lässig und witzig wie der letztere, wirft “Cassandras Traum” im Thrillergewand einen eher pessimistischen Blick auf menschliche Schwächen.

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Ein Song von Paul

Paul Weller ist am 25. Mai 50 Jahre alt geworden. Gratulation nachträglich! Hier ist er, frisch wie fast immer, mit einer Live-Version seines Songs “Wild Wood”:


Satz des Tages

“Sitzt nicht auch der wissende Alte am Ende vor einem offenen, ausgebrannten Haus, wo die Tür nur noch lose in einer Angel hängt?”

Aus Paare, Passanten von Botho Strauß

Candelilla Live mit Platte

Die Münchner Band Candelilla stellt heute, am 29. Mai um 20 Uhr im Cafe King ihre erste EP vor. Wir haben die vier Damen ja bereits vor einiger Zeit an dieser Stelle präsentiert und auch in unserer Sendung auf Byte.FM gespielt. Wer sie kennt weiß: Pflichttermin, quasi.

Hörbeispiele: Candelilla bei Myspace

Sydney Pollack

Es ist schon viel geschrieben worden zum Tod des großartigen Regisseurs, Schauspielers und Produzenten Sydney Pollack, der am 26. Mai im Alter von 73 Jahren an Krebs gestorben ist. Lesenswert: Fritz Göttler hat jetzt in der Süddeutschen einen angemessenen Nachruf verfasst, der nicht bei “Jenseits von Afrika” hängen bleibt und endlich auch Pollacks herausragende Verdienste als Produzent würdigt.

Filmstart der Woche: Interview

Steve Buscemi ist in den letzten Jahren ja bereits mehrfach auch als Regisseur positiv aufgefallen. Mit “Interview” liefert er jetzt sein bisheriges Meisterstück. Im Remake des Films von Theo van Gogh spielt er den zynischen Reporter Pierre Peders, der von seinem Chef dazu verdonnert wird, das Starlet Katya (Sienna Miller) zu interviewen. Aus dem missglückten Gespräch entwickelt sich nach und nach ein höchst vergnügliches und spannendes Dialogduell, das nebenbei zeigt, wie überzeugendes Kino geht: Zwei souveräne Schauspieler, ein hervorragendes Drebuch und eine konzentrierte Inszenierung ohne überflüssigen Schnickschnack - mehr braucht es nicht.

Die ausführliche Kritik gibts hier.


Offizielle Filmseite

Ebenfalls ab 29. Mai neu in den Kinos:

Esperanza
The Eye
Flamenco Mi Vida
Funny Games U.S.
Sex And The City
Standard Operating Procedure
Things We Lost In The Fire
Ouaga Saga

Ziegenbart im Windkanal

Wer schaut eigentlich noch freiwillig den Grand Prix, der jetzt ein “Eurovision Song Contest” ist? Unbedingte Grundvoraussetzung ist definitiv ein starker Hang zum Selbstquälerischen.
In den Debutantentagen von Guildo Horn und Stefan Raab war deren Beitragsexotik ja noch amüsant und wahrscheinlich auch notwendig, um die schunkelige Betulichkeit der Ralph-Siegel-Jahre zu untergraben. Dazwischen gab es dann mit Max Mutzke (was macht der eigentlich heute?) noch einen Hauch musikalischer Ernsthaftigkeit. Wer aber am vergangenen Samstag in die Live-Übertragung aus Belgrad schaltete, durfte sich in den sinnfreien Raum von amoklaufenden Teletubbies versetzt fühlen.
Dass der bizarre und gesanglich absurd schlechte Auftritt der “No Angels” schnurstracks zum letzten Platz führte: Geschenkt. Dass der russische, von Timbaland gewohnt zielsicher produzierte Beitrag ganz oben landete: Auch geschenkt. Alles zwischendrin: eine Bolzenparade des schlechten Geschmacks. Finnland schickte wieder Heavy Metal in Manowar-Windkanal-Ästhetik mit “Uuuh…Aaah”-Refrain ins Rennen, für Island sang ein blondes Pummelchen über altbackene Dancebeats hinweg, und viele der gesträhnten Implantatträgerinnen aus aller Herren Länder plärrten billig produzierte Schmalzballaden, die Whitney Houston schon vor zwanzig Jahren abgelehnt hätte. Dazwischen wieder ein Protest-Rockbändchen, das gerne Placebo geworden wäre (Türkei), ein wüstes Weltmusik-Allerlei in Zappelchoreographie (Türkei) und als nicht mehr zu überbietendes Highlight: Aserbaidschan mit einer Eunuchen-Minioper, die man nur noch in Sprachlosigkeit bestaunen konnte.
Dazu passte die Moderation von Peter Urban, dessen Kommentare zwischen Verlogenheit (”Portugal endlich mit einem Song, der gute Chancen hat.”) und als Witz getarnter Boshaftigkeit (”In Island sollen sowieso alle miteinander verwandt sein.”) oszillierten. Dass der einzige wirklich überzeugende Song (Sebastien Tellier für Frankreich) in diesem Reigen der Umnachtung sang- und klanglos unterging, verwunderte dann auch nicht mehr. Motto des Abends scheint eine Textzeile des lettischen Beitrags gewesen zu sein: “We Will Make You Blind - I Hope You Don’t Mind”.

Nach Cannes

Das Festival von Cannes ist gelaufen, die Preise sind verteilt. Wir waren nicht in Frankreich und können somit auch nicht viel zu den ausgezeichneten Werken verkünden. Gewinner der “Goldenen Palme” ist der französiche Regisseur Laurent Cantet mit “Entre les murs”, in dem er den schwierigen Alltag an einer Schule in einem Pariser Brennpunkt schildert.
Von den deutschen Teilnehmern erhielt immerhin Andreas Dresen den “Coup de coeur” für “Wolke 9″. Die Liste aller Preisträger gibt es auf der Festivalseite.
Und hier ein paar Bildert aus “Entre les murs”:

Neue Stücke

Das Eröffnungswochenende ist bereits erfolgreich absolviert, und noch bis 06. Juni sind am Hamburger Thalia Theater die interessantesten Inszenierungen zeitgenössischer Stücke bei den Hamburger Autorentheatertagen zu sehen. Das Festival hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten seiner Art gemausert und punktet diesmal mit insgesamt 17 Gastspielvorstellungen und zusätzlich einer Langen Nacht der Autoren am letzten Festivaltag. Schön, dass man sich in Hamburg für die Präsentation zeitgenössicher Stücke etwas Zeit nimmt und nicht an einem Wochenende Werkstattinszenierungen von Jungautoren abwickelt. Denn die Gegenwartsdramatik ist besser als ihr Ruf - doch leider verheddern sich immer noch viele Bühnen in der inflationären Suche nach dem nächsten Hype, statt junge Autorinnen und Autoren über einen längeren Zeitraum zu unterstützen. Neue Stücke können sich halt nur bewähren, wenn sie nicht sofort nach der Uraufführungsinszenierung wieder vom Spielplan verschwinden.

Band der Woche: Munich

Nee, kein Lokalpatriotismus des Cultpiloten - die Band “Munich” stammt aus Arhus in Dänemark. Wunderbar eingängigen Indierock spielen die Dame und vier Herren. Gitarren und Rhythmusgruppe tackern manchmal wie zu schönsten U2-Zeiten, aber die Musik bleibt mit diffizil austariertem mehrstimmigem Gesang dann doch viel persönlicher. Gerade haben “Munich” einen Vertrag bei Björks Label Smekkleysa (Bad Taste) unterzeichnet. Ein großes Ding könnte das werden…

Hier ihr dänischer Radiohit “The Young Ones”:

Bandsite
Munich bei Myspace