Monatsarchiv für Februar 2008

 
 

lit. Cologne

Heute startet in Köln zum 8. Mal das internationale Kulturfest lit. COLOGNE. Bis zum 9. März gibt es dort ein abwechslungsreiches Programm mit Martin Walser, Roger Willemsen, Anke Engelke, Richard Sennett, Frank Schätzing, Elke Heidenreich und vielen anderen. Sozusagen ein übersichtlicheres Vorspiel zur Leipziger Buchmesse.

Futter für Serienfans

Serienfans aufgemerkt: Der amerikanische Pay-Sender HBO, verantwortlich für legendäre Serien wie Die Sopranos oder Six Feet Under, ist seit kurzem mit einem eigenen Youtube-Channel Online. Dort ist jede Menge Material zu besichtigen, darunter eine nette Zusammenfassung der Serie The Wire namens 4 Sesaons In 4 Minutes. Leider sind noch nicht alle Inhalte für deutsche User zugänglich.

Tipps fürs Wochenende

Hier ein paar Tipps, falls das Wetter am Wochenende tatsächlich so schlecht wird wie vorhergesagt:

Ins Theater gehen:
Das Schauspiel Leipzig zeigt Wajdi Mouawads sehr aktuelles Bürgerkriegsfamilienthrillertragödienepos “Verbrennungen” in der Inszenierung von Robert Schuster. Premiere am Freitag.
An den Münchner Kammerspielen bringt einen Tag später Regisseur Lars-Ole Walburg in einer Uraufführung seine Version von Orhan Pamuks preisgekröntem Roman “Schnee” auf die Bühne.
Ebenfalls am Samstag ist zu besichtigen, was der großartige Schauspieler Burghart Klaußner als Regisseur drauf hat. Er inszeniert am Schauspielhaus Bochum “Der Ignorant und der Wahnsinnige” von Thomas Bernhard. Als Vater mit dabei: Otto Sander.

Ins Kino gehen:
Interessante Entdeckungen sind ab Samstag bei den 6. Latainamerikanischen Filmtagen in München zu machen. Schwerpunkt ist das in cineastischer Hinsicht noch weitgehend unbekannte Land Ecuador, vertreten mit einigen sehenswerten Spiel- und Dokumentarfilmen.
Oder unseren Filmtipp der Woche “Trip To Asia” anschauen. Wer lieber gehaltvollen Nervenkitzel mag, dem sei “No Country For Old Men” von den Coen-Brüdern empfohlen. Und auf keinen Fall verpassen, so lange er noch läuft: “There Will Be Blood” mit dem grandiosen Daniel-Day Lewis.

Zu viel gelesen

Frage: Schreckt das nicht eher ab?
Im Rahmen der Leipziger Buchmesse, die am 13. März beginnt, sollen während des Festivals Leipzig liest bis zum 16.03. insgesamt 1.500 Autoren an 300 verschiedenen Orten ca. 1.900 Lesungen abhalten. Das wird dann das größte Lesefest in Europa. Da denke ich unwillkürlich an das Motto der Messe, das da lautet: Der nächste Frühling kommt bestimmt.

RIP Buddy Miles

Der Drummer, Gitarrist und Sänger Buddy Miles ist am Dienstag mit 60 Jahren in Austin, Texas gestorben. Bekannt wurde er durch seine Arbeit mit Wilson Pickett, Jimi Hendrix, John McLaughlin, Carlos Santana und diverse Solo-Projekte. Hier ist er noch einmal mit seinem bekanntesten Stück “Them Changes”:

Bei Gabriela Montero im Wohnzimmer

Gabriela Montero ist eine klassisch ausgebildete Pianistin, die im Gegensatz zu den meisten ihrer Kollegen auch wunderbar improvisieren kann. Die gebürtige Venezuelanerin lebt seit geraumer Zeit in New York, ist aber oft auf Tourneen in der ganzen Welt unterwegs, wo sie in den berühmtesten Sälen gastiert. Aber wenn sie mal zu Hause ist, sollte man unbedingt auf ihrer Website die regelmäßige Videorubrik “Live From My Living Room” ansurfen. Dort erfüllt sie Besucherwünsche und improvisiert frei über ein gewünschtes Thema. Interessanter Weise hat sich im Februar auch der omnipräsente Claus Kleber ein Stück Musik gewünscht.
Also: Reinhören und staunen. Auf ihrer Seite findet sich auch ein sehr hörenwerter Mitschnitt ihres kompletten Konzerts in der Kölner Philharmonie von 2007. Faszinierende Klaviermusik, die irgendwo zwischen Klassik, Jazz und Pop landet und eher nach Keith Jarrett als nach Lang Lang klingt:

Filmstart der Woche: Trip To Asia

Jaja, ich weiß: Warum nicht “I’m Not There”, “No Country For Old Men” oder “Michael Clayton”? Zugegeben, es ist eine gute Woche mit hervorragenden Kinostarts. Aber die drei genannten Filme werden ohnehin schon fast überall besprochen. Vor allem nachdem die Coen-Brüder vier Oscars abgesahnt haben. Und gerade in dieser Woche startet halt auch “Trip To Asia”, der bei dieser Konkurrenz fast unterzugehen droht - was schade wäre. Denn Thomas Grube, dem Regisseur von “Rhythm Is It” ist eine Dokumentation gelungen, die spannend wie ein Spielfilm ist. Er hat die Berliner Philharmoniker auf einer Asien-Tournee begleitet, aber trotzdem keine klassische Tourdoku daraus gemacht. Er forscht nach, was ein großes Orchester ausmacht und liefert interessante Einblicke in die menschliche und psychologische Struktur des Orchesterapparates um Sir Simon Rattle.

Offizielle FilmWebsite

Außerdem ab 28.02. neu im Kino:

8 Blickwinkel
I’m Not There
Der lange Weg ans Licht
Meine Frau, die Spartaner und ich
Michael Clayton
Mirikitanis Katzen
No Country For Old Men
Ossi’s Eleven

Nur vom Feinsten…

Rico Bandle vom Schweizer Kulturblog hat sich die Mühe gemacht und das Selbstbild der Kulturinstitutionen seiner Heimatstadt Zürich untersucht. Das Ergebnis ist hier nachzulesen und dürfte so, mit leichten Variationen, auf fast jede andere Stadt und Branche übertragbar sein. Und das schreibt eines der besten und renommiertesten KulturBlogs…

Eine Insel mit zwei Bergen

Jim Knopf, Lukas der Lokomotivführer, Bill Bo, Urmel aus dem Eis, die Blechbüchsenarmee, Kater Mikesch, Kalle Wirsch und all die anderen aus Lummerland…
Am 26. Februar 1948 öffnete sich die Augsburger Puppenkiste zum ersten Mal. Somit feiert sie heute ihren sechzigsten Geburtstag: Eine Insel mit zwei Bergen…

Unterwegs: Heimlich Bestialisch

Wie schon angekündigt, unternehmen wir ab sofort Ausflüge zu deutschen Theatern, die eher selten in der überregionalen Presse vertreten sind. Die Berichterstattung über die immer selben großen Häuser langweilt, genauso wie die alljährliche Auswahl zum Berliner Theatertreffen nur einen Bruchteil der aktiven Theaterlandschaft beleuchtet. Deshalb unterwegs zur einer Uraufführung in Tübingen:

heimlich bestialisch

“Heimlich Bestialisch - I Can Wait To Love In Heaven”
von Claudia Grehn (Heinrich-von-Kleist-Förderpreis 2007), Uraufführung
Werkstatt des Landestheaters Tübingen am 23.02.2008.
Regie: Dietrich Sagert
Ausstattung: Sabina Moncys
Mit: Katja Bramm, Ulrike Euen, Danny Exnar, Katja Gaudard, Daniela Keckeis, Marius Marx, Nicola Schößler

Es war eine große Aufgabe, der sich das LTT mit der Uraufführung von “Heimlich Bestialisch - I Can Wait To Love In Heaven” stellte. Die 26-jährige Autorin Claudia Grehn verdichtet in ihrem ungewöhnlichen Text auf uneitle, nüchtern dokumentarische Weise kurze Szenen, Bruch- und Erinnerungsstücke zur Zeitreise durch das Panoptikum eines vorzeitig ausgebremsten Lebens. Und sie verzichtet dabei weitgehend auf poetische Gefälligkeiten, klare Handlungsstränge und unmittelbar greifbare Charaktere.

Heiner, um die 40, erhält die niederschmetternde Diagnose “Hirntumor” und muss sich die Frage stellen: “Wie weglaufen, wenn der Krieg im eigenen Körper ausbricht?”.
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